Psychotherapie (von griechisch ψυχή psychḗ „Atem, Hauch, Seele" und θεραπεύειν therapeúein „pflegen, sorgen") ist eine wissenschaftlich fundierte und empirisch nachgewiesene Behandlungsmethode psychischer Störungen mit Krankheitswert. Sie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns. Darüber hinaus wird Psychotherapie bei psychosomatischen Störungen (seelisch bedingtem schädigenden Einfluss auf den Körper, der sich z.B. in chronischen Bauchschmerzen äußert) angewandt.

Es gibt verschiedene Psychotherapieformen. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten tiefenpsychologisch fundierter Verfahren, der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie übernommen. Diese geht davon aus, dass alles menschliche Verhalten im Laufe des Lebens erlernt wird und somit auch ver-, um- oder neu gelernt werden kann. Das Ziel besteht darin, Gefühle, Gedanken, Einstellungen oder Verhaltensweisen zu verändern. Führt ein Verhalten dazu, dass es nicht zielführend ist, sogar krank macht, versucht die kognitive Verhaltenstherapie beispielsweise mit dem Patienten dessen Gedanken, Bewertungen und die damit verbundenen Gefühle verständlich zu machen, diese zu korrigieren und in neue Verhaltensweisen zu überführen. Diese Veränderungen können in einer vertrauensvollen Beziehung erreicht werden, in der Therapeut, Kind/Jugendlicher und seine Bezugspersonen gemeinsam Lösungen für die zu behandelnden Probleme entwickeln. Verhaltenstherapie beinhaltet Veränderungen in den Kognitionen und Interaktionen mit dem sozialen Umfeld. Daher ist es bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders wichtig das familiäre und weitere soziale Umfeld (z.B. Kindergarten, Schule) in die Behandlung mit einzubeziehen.

Ein Psychotherapeut hat zu seinem Grundstudium (Medizin, Psychologie, Pädagogik) eine mehrjährige psychotherapeutische Zusatzausbildung abgeschlossen. „Ärztlicher Psychotherapeut", „ Psychologischer Psychotherapeut" und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut" üben Psychotherapie aus. Der Beruf des Psychologischen Psychotherapeuten ist seit dem 1. Januar 1999 durch das Psychotherapeutengesetz geregelt. Das Gesetz schützt zugleich die Berufsbezeichnung "Psychotherapeut" strafrechtlich für diejenigen, die eine Approbation (Berufszulassung) aufgrund des Psychotherapeutengesetzes oder als Arzt mit entsprechender Zusatzausbildung besitzen.
Eine Psychiatrie ist eine Fachklinik für Menschen mit seelischen Problemen. So wie man bei bestimmten körperlichen Erkrankungen für eine bestimmte Zeit im Krankenhaus behandelt werden muss, kann es wichtig und hilfreich sein auch bei seelischen Erkrankungen für einige Zeit in ein Fachkrankenhaus, die Psychiatrie, zu gehen, wenn es für die Probleme nicht ausreicht, ein paar Mal im Monat zu einem Psychotherapeuten zu gehen. Hier kann umfangreicher Hilfe geleistet werden, quasi rund um die Uhr, vollstationär oder täglich von morgens bis abends, tagesklinisch. In einer Psychiatrie gibt es ein breit gefächertes Hilfsangebot und unterschiedliche Therapieangebote (z.B. Einzel- und Gruppengespräche, Ergotherapie, Bewegungsgruppe, Musiktherapie etc.), um die akute Not des Patienten zu lindern und ihn soweit zu stabilisieren, dass eine ambulante Weiterbehandlung möglich ist.
Ein Psychiater hat Medizin studiert. Nach Abschluss des Medizinstudiums hat er eine mehrjährige Facharztausbildung zum Psychiater absolviert. In dieser Ausbildung hat er spezielle Kenntnisse über Entstehung und Verlaufsformen von Krankheiten der Seele und des Geistes erworben und gelernt, diese Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, häufig mit Medikamenten, den sogenannten Psychopharmaka. Erst eine psychotherapeutische Zusatzausbildung berechtigt einen Psychiater auch Psychotherapie auszuüben.
Nein, Pychotherapeuten haben Erstzugangsrecht.
Bitte bringen Sie die Versichertenkarte, das aktuelle oder letzte Zeugnis, das Vorsorgeheft/U-Heft und Vorbefunde (falls vorhanden) mit. Für die Behandlung eines Kindes/Jugendlichen ist ein schriftliches Einverständnis beider sorgeberechtigten Eltern erforderlich.
Ein ärztlicher Konsiliarbericht muss eingeholt werden. Der Arzt untersucht den Patienten und klärt ab, ob evtl. vorliegende Erkrankungen gegen die Aufnahme einer Psychotherapie sprechen, die „somatische Abklärung" wird vorgenommen. Zusätzlich beantwortet er die Frage, ob ein Facharzt hinzugezogen werden sollte oder eine fachärztliche Mitbehandlung notwendig erscheint (z.B. bei psychopharmakologischer Mitbehandlung).
Die Psychotherapie findet im Einzelgespräch mit dem Kind bzw. Jugendlichen im wöchentlichen Rhythmus statt; eine Sitzung dauert jeweils 50 Minuten. Bei bestimmten Störungsbildern z.B. Angststörungen, dauert eine Therapiestunde länger, insbesondere, wenn Konfrontationsübungen durchgeführt werden. Parallel zur Behandlung der Kinder und Jugendlichen findet ca. jede 4. Sitzung ein sogenannter Bezugstermin statt.

Die genaue Ausgestaltung und Dauer der Therapie hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab. Der Gesamtumfang der Behandlung richtet sich in erster Linie nach dem jeweiligen Störungsbild. Hierbei wird zwischen Kurzzeittherapie 1 (12 Einzelsitzungen + 3 Stunden für die Bezugspersonen), Kurzzeittherapie 2 (12 Einzelsitzungen + 3 Stunden für die Bezugspersonen) und Langzeittherapie (45/60 Einzelsitzungen + 11/15 Stunden für die Bezugspersonen) unterschieden. Bei Bedarf kann eine Kurzzeittherapie in eine Langzeittherapie umgewandelt werden..

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL Leistungen) sind ärztliche/psychotherapeutische Leistungen, die nicht Teil des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sind.

Es handelt sich um „individuelle", für den einzelnen Patienten sinnvolle oder nützliche Leistungen, die auf Wunsch des Patienten erbracht werden. Bei Inanspruchnahme dieser „Wunschleistung" besteht allerdings kein Erstattungsanspruch gegenüber der Krankenkasse. 

In der Praxis wird immer häufiger der Wunsch nach einem ausführlichen Krankheitsbericht geäußert oder die schriftliche Berichterstattung der testpsychologischen Diagnostikergebnisse z.B. für Schule etc. angefragt.

Der Psychotherapeut ist grundsätzlich auf Wunsch des Patienten dazu verpflichtet, einen Kurzbericht an den Hausarzt zu schicken, wenn dieses vom Patienten gewünscht wird. Dieser Kurzbericht enthält jedoch nur Grund der Vorstellung, Anzahl der durchgeführten Termine und die Diagnose. 

Falls ein Patient nach fünf probatorischen Diagnostiksitzungen einen ausführlichen testpsychologischen Bericht wünscht, kann dieses in Form einer IGeL Leistung erstellt werden. Der ausführliche Bericht umfasst ca. 3 DIN A 4 Seiten und wird aufgrund des zeitlichen Aufwandes mit 50 Euro privat in Rechnung gestellt. Der Betrag orientiert sich an der GOP (Gebührenordnung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten).

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